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20. Juli 2007

Großer Hafner

(gepostet im Bereich Berg)

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Bereits früh um 0630 starte ich nach einem hastigen Frühstück bei der Hütte. Ganz munter bin ich ja noch nicht. Begleitet vom Rauschen des Wasserfalls, stolpere ich müde dauernd über jedes zweite Steinchen. Wenn der Weg entlang des Unteren Rotgüldensees fast eben verläuft, ist das aber nicht weiter schlimm. Ich hoffe nur der Aufstieg wird nicht allzu warm, da Großer Hafner und Wastlkarscharte bereits ab den frühen Morgenstunden der prallen Sonne ausgesetzt sind.

Eine Stunde später auf fast exakt 2000 Meter erblicke ich dann den idyllisch gelegenen Oberen Rotgüldensee. Ruhig spiegeln sich im See die umliegenden Gipfel. Wunderschön. Da muss ich doch gleich wieder patentierte Reflektionsfotos knipsen. Von links und rechts rauschen die Bäche herunter und speisen den See. Immer wieder bin ich vom Wasserreichtum der Tauern mit ihrem Gneis beeindruckt. Zuhause in Oberösterreich verschwindet ja fast jeder Tropfen im stark verkarsteten Kalkstein. Direkt am Ufer wandere ich ans andere Ende des Sees und begegne hier zum ersten Mal der /Rosenwurz (Rhodiola rosea) die mit ihren sukkulenten Blättern auffällig hervorsticht.

Über mir das Wilde Wagendristlkar, über das ich von der Rotgüldenscharte abgestiegen wäre. Wild liegen hier auch große Blöcke in der Gegend. Dazwischen immer wieder deutliche Zeichen von Steinschlag, der wohl erst einige Tage her ist. Während des Aufstiegs, der nun immer steiler hinauf zur Scharte verläuft, erkennt man deutlich, dass der Weg mehrmals saniert und auch umgelegt wurde. Vermutlich muss der Weg hier jedes Frühjahr gut gepflegt werden. Hoffentlich rentiert sich diese kaum hoch genug zu schätzende Arbeit noch ein Zeiterl. Über Geröll und Staub aufsteigend, denke ich schon über einen wirklich schlechten und rutschigen Abstieg nach. Überall wacklige Blöcke zwischen 100 Gramm und 100 Kilo, die wohl bei der geringsten Berührung rücksichtslos ihren Weg ins Tal suchen. Aber auch der Aufstieg ist nicht wirklich fein. Teilweise ist der Weg komplett ausgewaschen und ich nutze lieber den noch etwas begrünten und somit kompakten Boden. Besonders schlecht sind große Platten auf denen loses Geröll und Staub liegt. Gefährlich rutschig und in keinster Weise begehbar! So freue ich mich sehr, als die ersten Sicherungen und massiver Fels auftauchen. Herrlich sag ich nur. Außerdem macht Kraxeln Spaß. Unterwegs konnte ich mich trotzdem noch an einigen botanischen Kostbarkeiten erfreuen. In ihrer Form einzigartig sind die schraubigen Fruchstände der /Kriech-​Nelkenwurz (Geum reptans) nicht zu übersehen. Nicht umsonst nennt man diese Pflanze auch Gletscher-​Petersbart. Unverkennbar auch das rotblühende /Zwerg-​Seifenkraut (Saponaria pumila), das im Felsschutt kleine Polster bildet.

Tja leider hab ich mich etwas zu früh gefreut. Nach der ersten, mit einem Stahlseil versehenen, Passage beginnt wiederum ein sehr schlechtes Wegstück. Der Abstieg wird hier sicherlich knifflig. Egal, weiter hinauf zur nahen Wastlkarscharte. Rasch gelange ich zur nächsten Felspassage. Noch eine kurzer senkrechter Anstieg, der mit Hilfe einiger Klampfen recht flott klappt. Je näher ich zur Scharte hinaufsteige, desto heftiger bläst mir starker und kalter Wind entgegen. Ein paar Meter und ... na servas … unglaublich … was für eine tolle Aussicht. Die sonst nur schemenhaften Gletscher und Gipfel von Hochalmspitze und Ankogel heute einmal ganz nah. Dahinter vermutlich Hoher Sonnblick und Wiesbachhorn, aber so ganz sicher bin ich mir der Identifizierung nicht. Und im Tal glitzert der hellblaue Kölnbreinspeicher. Dazu wieder einmal wolkenloser Himmel. "Wenn's laaft, dann laafts!", denke ich mir. Hinüber zur Marschneid gewinnt der aussichtsreiche Weg gerade mal 50 Höhenmeter. Hier bin ich in meinem Element. Von Block zu Block jumpen und die hochalpine Kulisse genießen. Die Blicke wollen sich von der Hochalmspitze, Königin der Kärntner Berge oder auch Tauernkönigin, gar nicht mehr abwenden. Da ich ja den Hohe Dachstein, König von Oberösterreich/Steiermark, erst kürzlich besucht habe, wäre es nur logisch der Hochalmspitze ebenfalls meine Aufwartung zu machen. Vielleicht sogar mit der bereits bewährter gipfeltreffen.at Seilschaft? Hinüber zur Schneid quere ich noch einige Schneefelder, die, da gut aufgeweicht, kein Problem darstellen.

Schließlich eine kurze Kraxlerei, bei der ein blaues Kunststoffseil Unterstützung bietet und nach etwa nach einer Stunde ab Wastlkarscharte stehe ich am Südwestgrat des Großen Hafner. Das eh schon eindrucksvolle Panorama hat sich noch einmal gesteigert. Leider kein Bergfex in der Nähe, der mir beim Gipfelbestimmen hilft. So bleiben die umliegenden Berge unbekannt und geheimnisvoll. Unschwer wandere ich dem Gipfel entgegen. Die Luft ist merkbar dünner, vielleicht bin ich deshalb ein "bissl überdraht" und freue mich über jede Kleinigkeit die ich so entdecke. Wunderschöne /Alpen-​Grasnelken (Armeria alpina) gedeihen hier. Mit Gletscher im Hintergrund sollten hier ein paar ganz passable Bilder entstehen. Nach einigen Minute gemütlichen Spazierens wird die Szenerie ein bisschen schräg. Der Rücken hinauf zum Gipfel scheint mit unzähligen Stacheln bewehrt zu sein. Fast jede Gneisplatte wurde senkrecht aufgestellt und gut an der Basis mit weiteren Platten befestigt. Hier müssen sich ja ganz viele Bergsteiger ausgetobt haben. Ganz komisch. Schaut aber wirklich witzig aus.

Zwischen den Stacheln befinden sich immer wieder strahlend weiß blühende Polster des /Alpen-​Mannsschilds (Androsace alpina) die oft von tiefblauen Enzianen umgeben sind. Die genaue Art konnte ich noch nicht bestimmen, da ich Depp mir die Grundblätter nicht angesehen habe. Kurz später... Aber hallo, was haben wir den hier? Da wucherts ja ganz hellblau. Am besten ich zitiere hierzu den englischen Pflanzensammler /Reginald Farrer. "… und plötzlich dachte ich, ich würde verrückt. Denn da gab es /Eritrichium nanum… Man mag es sehen so oft man will, Eritrichium bleibt unbestritten die Krönung aller Eindrücke, die man in den Alpen gewinnen kann.". Unglaublich, hab ich die Blütezeit der hochalpinen Flora genau erwischt

Am nahe Gipfel treffe ich um 1115 ein. Etwas über den Dingen stehend, stellt sich erneut ein tolles Gipfelgefühl ein. Fernsicht und Panorama sind wieder wunderbar. Nach Norden kann ich sogar die unverkennbaren Südwände des Dachstein sehen. Auch der Grimming ist leicht zu bestimmen. Eine völlig neue Perspektive eröffnet sich. Leider ist der Wind etwas unangenehm und lädt nicht wirklich zu einer längeren Pause ein. So raste ich nur 30 Minuten und beginne wieder mit dem Abstieg, bei dem man förmlich auf denn Ankogel zu zulaufen scheint. Hab ich schon erwähnt, dass das Panorama wirklich toll ist? Bei der Wastlkarscharte lege ich noch eine kurze Pause ein, um diesen unglaublichen Ausblick noch in vollen Zügen zu genießen.

Wie erwartet klettere ich problemlos hinunter, bis ich auf diese verdammt blöde Stelle treffe, die nur aus feinem Geröll und Staub besteht. Höchste Konzentration ist gefragt. Mir ist etwas mulmig, da über mir noch zwei Bergsteiger unterwegs sind, die ebenfalls absteigen. Ich hoffe nur die treten keine Steine los. Ganz langsam muss jeder Schritt zwei, dreimal abgewägt werden. Nur loses Geröll, wobei durch die Mittagshitze die Situation vermutlich noch einmal verschärft wurde. Ohne Zwischenfall passiere ich die "Schlüsselstelle", eine weitere Passage mit Stahlseil und gelange nun in nicht mehr ganz so steiles, jedoch nach wie vor steinschlaggefährdetes Gebiet. Plötzlich höre ich auch schon unheilbringende Schläge. Fünf Meter entfernt purzeln etliche Steine in großen Sprüngen hinunter. Glücklicherweise befindet sich in unmittelbarer Nähe ein großer etwa drei Meter hoher Felsblock, hinter dem ich zusammengekauert Schutz finde. In leichter Panik halte ich noch den Rucksack über den Kopf. Puh, die Sache ist wirklich lebensgefährlich. Der Obere Rotgüldensee ist nicht mehr weit und verspricht Sicherheit. Ohne weiter Pause steige ich zügig ab, wobei zügig relativ ist. Ein zu hastiger Schritt und ich löse den nächsten Steinschlag aus. Die Zeit scheint überhaupt nicht zu vergehen, da der See einfach nicht näher rückt. Knie und Achillessehnen schmerzen. Nicht lustig. Als ich endlich sanft auslaufendes Gelände erreiche und die saftigen Wiesen am See nur noch Minuten entfernt sind, fällt mir wahrlich ein Stein(schlag) vom Herzen. Ein erfrischendes Fußbad im eiskalten See bringt die geschundenen Treter wieder auf Vordermann. Entspannt wandere ich retour zur Hütte wo ich um 1625 eintreffe. Für den Abstieg benötigte ich bei solchen Verhältnissen fast genauso lange wie für den Aufstieg.

Brettljause und Kaiserschmarrn lassen die Strapazen rasch vergessen. Bei einem gespritzen Most sehe ich mir noch genau die Route an. Von dieser Seite besuche ich den Großen Hafner nicht mehr. Oder zumindest nicht zwei Wochen nach starken Regen/Schneefällen. Der Weg selbst ist laut Auskunft der Hüttenwirte aber prinzipiell in einem schlechten Zustand. Trotzdem war die Tour ab der Wastlkarscharte ein wahrer Genuss, gepaart mit ein paar Adrenalinschüben. Ein Aufstieg vom Maltatal scheint mir ungefährlicher zu sein.

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